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U19 Goalball-Camp verbindet Nachwuchsförderung mit internationalem Spitzensport

  • vor 13 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Mehr als 30 Jugendliche trainieren in Marburg gemeinsam mit Nationalspielern – Internationale Länderspiele und Workshops machen zweite Auflage zu besonderem Inklusionsprojekt

 

Marburg, 20.05.2026

 

Vier Tage voller Goalball, Gemeinschaft und internationaler Atmosphäre: Bereits zum zweiten Mal haben die SSG Blista Marburg und der Hessische Behinderten- und Rehabilitationssportverband (HBRS) gemeinsam das U19 Goalball-Camp in Marburg ausgerichtet. Von Donnerstagabend bis Sonntagmorgen trainierten mehr als 30 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland auf dem Gelände der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista). Dabei trafen erfahrene Nachwuchsspielerinnen und -spieler ebenso auf Anfänger wie sehende Jugendliche auf Sportlerinnen und Sportler mit Sehbehinderung.

Ziel des Camps war es erneut, jungen Menschen frühzeitig Zugang zum paralympischen Mannschaftssport Goalball zu ermöglichen und gleichzeitig Inklusion, Gemeinschaft und persönliche Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen. Das Camp richtete sich bewusst an Teilnehmende mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und Erfahrungsständen.

 

Professionelle Bedingungen an der blista

 

Austragungsort war erneut die blista in Marburg – bundesweit eines der wichtigsten Kompetenzzentren für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung. Mit seinen Sporthallen, der Mensa und den Schlafmöglichkeiten bot die blista optimale Voraussetzungen für das Projekt und unterstrich einmal mehr ihre besondere Rolle im inklusiven Sport.

Über vier Tage hinweg absolvierten die Jugendlichen mehrere tägliche Trainingseinheiten. Auf dem Programm standen Technik- und Taktiktraining für Anfänger und Fortgeschrittene, Athletikeinheiten sowie Spielformen unter Wettkampfbedingungen. Betreut wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei von erfahrenen Bundesliga-, Landes- und Nationaltrainern. Entwickelt wurde das Camp von SSG-Cheftrainer sowie Landes- und Bundestrainer Stefan Weil.

Neben dem sportlichen Bereich setzte das Camp erneut stark auf Gemeinschaft und Austausch. Gemeinsame Abendveranstaltungen und Freizeitangebote sorgten dafür, dass die Jugendlichen auch abseits des Spielfelds miteinander in Kontakt kamen. Gerade diese Mischung aus Leistungssport, Inklusion und sozialem Miteinander macht das Camp inzwischen zu einem besonderen Projekt innerhalb der deutschen Goalball-Szene.

 

Workshops und Ausbildung stärken den Goalball langfristig

 

Parallel zum Nachwuchscamp fanden zusätzlich Trainerworkshops sowie eine Schiedsrichterausbildung mit abschließender Zertifizierung statt. Dabei erhielten Trainerinnen und Trainer Einblicke in Methodik, Didaktik und inklusive Trainingsgestaltung. Ziel ist es, langfristig neue Multiplikatoren für den Goalballsport auszubilden und die Strukturen in Deutschland weiter zu stärken.

 

Landestrainer Stefan Weil blickt auf das Camp sehr positiv zurück:„Das Besondere an diesem Camp ist, dass hier Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam Sport erleben und voneinander lernen. Wir hatten Anfängerinnen und Anfänger dabei, aber auch junge Spielerinnen und Spieler mit viel Erfahrung im Goalball. Genau dieser Austausch macht das Wochenende so wertvoll. Gleichzeitig konnten die Teilnehmenden durch die Länderspiele erleben, wohin der Weg im Leistungssport führen kann. Für uns ist es wichtig, nachhaltige Strukturen im Nachwuchsbereich aufzubauen und jungen Menschen früh Verantwortung, Teamgeist und Begeisterung für den Sport zu vermitteln.“

 

Internationale Nationalmannschaften zu Gast in Marburg

 

Eine besondere Verbindung entstand in diesem Jahr durch das parallel stattfindende internationale Trainingslager der deutschen und finnischen Herren-Nationalmannschaft. Beide Teams bereiten sich aktuell auf die Weltmeisterschaft im Juni in Hangzhou (China) vor und nutzten Marburg als gemeinsamen Vorbereitungsstandort.

Für die Teilnehmenden des U19-Camps bedeutete dies einen außergewöhnlichen Einblick in den internationalen Spitzensport. Nach ihren Trainingseinheiten gingen  die Jugendlichen am Freitag und Samstag gemeinsam zum Zentrum für Hochschulsport der Philipps-Universität Marburg, wo zunächst ein Mixed-Demonstrationsspiel mit Camp-Teilnehmenden und Bundesligaspielern der SSG Blista Marburg stattfand. Anschließend folgten die offiziellen Länderspiele zwischen Deutschland und Finnland.

So konnten die Nachwuchsspielerinnen und -spieler nicht nur hochklassigen Goalball erleben, sondern auch direkten Kontakt zu Nationalspielern knüpfen und einen Eindruck davon gewinnen, wie professioneller Leistungssport auf internationalem Niveau aussieht.

Ein weiterer wichtiger Partner des Projekts war das Zentrum für Hochschulsport der Philipps-Universität Marburg unter Leitung von Dr. Jens Kruse. Bereits seit mehreren Semestern wird dort Goalball im Hochschulsportprogramm angeboten und seit dem haben mehrere Student:Innen Goalball für sich entdeckt und spielen bei der SSG im Ligabetrieb mit. Perspektivisch soll der Parasport an der Universität noch stärker verankert werden – unter anderem durch inklusivere Trainingsmöglichkeiten und weitere internationale Veranstaltungen.

 

Dr. Jens Kruse blickt positiv auf die Zusammenarbeit:

„Es ist etwas Besonderes, dass gleich zwei Nationalmannschaften Marburg für ihre Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft ausgewählt haben. Das zeigt, welchen Stellenwert der Goalballsport und die vorhandenen Strukturen hier inzwischen besitzen. Besonders beeindruckend ist die Verbindung aus Nachwuchsförderung, Inklusion und internationalem Spitzensport. Genau solche Projekte möchten wir gemeinsam künftig noch intensiver weiterentwickeln.“

 

Was ist Goalball?

Goalball wird auf einem volleyballgroßen Spielfeld (9 × 18 m) gespielt. Die Tore erstrecken sich über die gesamte Grundlinie und sind 1,30 m hoch. Gespielt wird drei gegen drei mit einem 1.250 g schweren Ball, in dessen Innerem sich Glöckchen zur akustischen Wahrnehmung befinden. Das eigene Tor wird mit der gesamten Körperlänge verteidigt, und alle Spieler tragen während des Spiels ausnahmslos lichtundurchlässige Brillen. Die Orientierung erfolgt ausschließlich durch gute Kommunikation und tastbare Linien auf dem Boden.Der Ball erreicht dabei Spitzengeschwindigkeiten von über 80 km/h. Da ein Team pro Angriff maximal zehn Sekunden Zeit hat, entwickelt sich für Spieler wie Zuschauer ein rasantes, dynamisches Spiel mit vielen hochklassigen Torchancen und teils spektakulären Paraden. Hat eine Mannschaft einen Vorsprung von zehn Toren, wird das Spiel vorzeitig beendet.Goalball ist überdies eine inklusive Sportart – auch Menschen ohne Sehbehinderung können national Goalball spielen.

 
 
 

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