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Donnerstag, 07.09.2017 15:06 Alter: 14 Days

Unsere sehbehinderten Judoka auf Europameisterschaften erfolgreich wie nie zuvor!

Das Hessische Team aus dem Landesleistungszentrum blista Marburg nahm so erfolgreich wie noch nie an den Senioren-Europameisterschaften der Sehbehinderten und Blinden in England teil. Vier Hessische Nachwuchsathleten holten einen neunten, einen siebten und einen fünften Platz sowie eine Bronze Medaille nach Deutschland, Hessen und Marburg!


In den Sommerferien fanden sich vier sehbehinderte Marburger Judoka mit ihrem Trainer Markus Zaumbrecher auf der britischen Insel in Birmingham ein, um an den Senioren Europameisterschaften für Sehbehinderte und Blinde teilzunehmen.

Die zwei angehenden Abiturienten, Tim Meiß und Daniel Goral, sowie die beiden Blista Absolventen Tulga Demirel und Schugga Nashwan, erhielten die Nominierung für ihre Teilnahme in Walsall (England) durch die Bundestrainerin in enger Übereinkunft mit dem Bundesnachwuchstrainer Zaumbrecher. Damit bestand die zehnköpfige Nationalmannschaft neben den alteingesessenen sechs Athleten, aus vier jungen Talenten und verstärkten somit den internationalen Auftritt Deutschlands. 

Die EM war für den sehgeschädigten Nachwuchs der Höhepunkt ihrer bisherigen Judokarriere. So freut sich Tim Meiss über den 9. Platz in der Gewichtsklasse -73kg. Dieses ist besonders hervorzuheben, da seine Gewichtsklasse viele namhafte Wettkämpfer aufwies wie etwa Nicolai Kornhaß, der seinerseits Bronzemedaillengewinner der letzten Paralympics in Rio de Janeiro war und als Vize-Europameister dieses Turnier verlassen konnte. Daniel Goral überraschte als Jüngster der Mannschaft mit einem 7. Platz. Dabei hätte er in seiner gewohnten Gewichtsklasse -81kg vielleicht bessere Aussichten gehabt. Das Experiment -90kg war auf Gorals Perspektiven ausgerichtet und wird sicherlich noch ein Thema für die kommende Junioren-Europameisterschaften sein. Tulga Demirel schaffte es in der nach oben offenen Gewichtsklasse bis zum Kampf um Bronze und musste den Routiniers das Treppchen frei geben. Nach so einem starken Turnier freut sich das ganze Team, aber besonders Demirel über den 5. Platz. 

Schugga Nashwan machte den Traum einer Medaille wahr. Er hatte schon vor zwei Jahren auf der EM in Lissabon mit dem 7. Platz sein Potenzial gezeigt und konnte nach einer verletzungsbedingten Pause erneut überzeugen.
Vorerst verlor Nashwan seinen Auftaktkampf, wodurch für ihn der Traum von einer Platzierung etwas weg rückte. Durch das gute Abschneiden seines Gegners war Nashwan jedoch nicht aus dem Turnier ausgeschieden sondern konnte über die sogenannte Trostrunde seine Kämpfe fortsetzen. Gut gebrieft und durch seinen Trainer mental gestärkt, konnte er in den folgenden Kämpfen sein ganzes Judo-Können abrufen und sich durch souveränes Auftreten im Boden- als auch Standkampf bis in das kleine Finale um die Bronzemedaille hochkämpfen. Während dieses Finalkampfs um den dritten Platz war die Stimmung in der Halle überwältigend, die gesamte Deutsche Mannschaft unterstützte den Emporkömmling aus Marburg, der durch einen sehr schnellen Stand-Bodenübergang und sehr konsequentes Nachsetzen den favorisierten Gegner aus Aserbaidschan zur Aufgabe zwang. Die Sensation war gelungen, Bronce für Deutschland! Als Nashwan von der Matte kam sprang er sichtlich erfüllt von Freude seinem Coach in die Arme und rief „Wir haben gewonnen“. Auch Zaumbrecher war sichtlich bewegt. „Ja, wir haben eine Medaille, das ist im Sport der Lohn für viele Jahre Arbeit! Es zeig sich immer deutlicher, dass die zielgerichtete Nachwuchsarbeit am Judo Landesleistungszentrum blista zu Erfolgen auf höchster Ebene führen. „Wir haben gewonnen - waren die Worte von Schugga. Dieses WIR bezieht sich aber nicht nur auf das Athletenteam und den Trainer, sondern auch auf das gesamte Unterstützungssystem“ ergänzte Zaumbrecher. Das unterstützende Umfeld besteht vor allem aus der Blindenstudienanstalt Marburg und dem Hessischen Behinderten-und Rehabilitationssportverband (HBRS), ohne deren Förderung der Aufbau junger Wettkämpfer nicht möglich wäre. „Deswegen bin ich sehr zuversichtlich, dass in sehr naher Zukunft Marburg und damit Hessen sehr erfolgreich in der internationalen Spitze des Sehgeschädigten Judos vertreten sein wird. Wir sind zwar noch ein ganzes Stück von einer paralympischen Medaille entfernt, haben aber nun schon eine europäische Bronzemedaille mit nach Hause bringen können, und das war eine Kontinentalmeisterschaft und damit die dritt höchste Kategorie überhaupt. Wir konzentrieren uns nun auf unser Jahres-Highlight und schauen erwartungsvoll auf die in den Herbstferien stattfindenden Jugend- und Junioren Europameisterschaften in Genua (Italien). Als Deutsches Nachwuchsteam werden wir dort mit 15 Judoka an den Start gehen (14 Hessen, eine Baden-Würtembergerin), - das ist eine beeindruckende Stärke, resümiert der Nachwuchsbundestrainer Markus Zaumbrecher. 

„Diese Medaille hat für mich bewiesen, dass der Weg den ich mit meinem Trainer gemeinsam gehe, der richtige ist. Ich habe das erste Mal auf Augenhöhe bei den Senioren teilnehmen können und konnte mich direkt beweisen. Für mich ist die Medaille zum Symbol der Hoffnung auf die Teilnahme an den paralympischen Spiele 2020 in Tokio geworden. Um diese Qualifikation zu erreichen, muss ich jetzt die nächsten Schritte gehen und versuchen, erfolgreich am World-Cup Turnier in Taschkent und den Junioren-Europameisterschaften an den Start zu gehen“ resümierte Nashwan.